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07.08.2020

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Ritual Theater

Eine kurze Einführung

Der Umgang mit Begabung und Technik ist im Ritual Theater ein anderer als im herkömmlichen Theater. Er ist gelassener. Es gibt kein Vormachen mehr, sondern nur ein Machen an sich, da die übliche Zuschauerrolle wegfällt.

Aus dem dem Zuschauer wird ein Teilnehmer, der sich einbringt, aber keineswegs im Sinne von Mitspieltheater oder Animation. Es geht vielmehr um ein Einüben im Loslassen, Eliminieren, Weggeben und Sichbeschränken, als eine Art Grundtechnik, durch die eine zunehmende Sensibilisierung der sinnlich-körperlichen und geistigen Wahrnehmung - mithin ein beständiges Wacherwerden - in Gang gesetzt wird.

Es entsteht kein Werk; doch es geschieht ein schöpferischer Akt, ein poetisches Moment.

Unter grösstmöglichem Einbezug des Raumes, der Plastizität des Körpers und der gesamten Energie, entstehen Bilder und Bewegungen, die nur durch die zeitliche Struktur eine Art Halt und Verankerung erfahren. Bilder und Bewegungen, die sich wieder verflüchtigen, bestenfalls Erinnerungsfetzen hinterlassen. Da ist nichts Feszuhaltendes. Nichts zum Aufhängen.

Da ist Fluss. Die Mittel hierfür sind einfach: Impulse abwarten, um ihnen dann entschieden nachzugeben. Einfache Bewegungsabläufe geschehen lassen. Ihnen folgen, Positionen festhalten, um sie im richtigen Moment aufzulösen.

Diese Mittel werden den Teilnehmerinnen und den Teilnehmern theoretisch als Struktur erläutert (sie wird nachzulesen sein auf einem aufgehängten Blatt im Aussenraum) und praktisch vermittelt in einer täglichen Übung.

Die mit dem Thema verbundene Offenheit erfordert exakte räumliche und zeitliche Strukturen. Ihre Strenge verbindet das spontane Geschehen und ermöglicht der Teilnehmerin und dem Teilnehmer zugleich, innere Widerstände zu lösen.

 

(aus: SEITEN 3/94 forumclaque Baden)