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19.08.2019

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CH liebt Kunst, Gesamtprojekt

12 Monate Performance 12.09.1998-11.09.1999
Minimalisierung und Ritualisierung elementarer Handlungen

Zwischenphase 12.09.1999-11.001.2001
Untersuchung der Existenzbedingungen der sozialen Existenz in der CH

Teilprojekt vom 12.01.-11.09.2001
Untersuchung der Existenzbedingungen der Künstler-Existenz in der CH

40 Minuten Stehen 03.09.2001
Verknüpfung und Verdichtung zur konkreten Menschenskulptur

12 Monate Performance

Das Gesamtprojekt "CH liebt Kunst" wurde einerseits durch die sich falltypisch zuspitzende erwerbslose Position des Künstlers, andrerseits durch die Notwendigkeit einer die elementaren menschlichen Handlungen thematisierenden 12monatigen Performance ausgelöst.

Während im Ritual Theater Grundfragen des Künstlers an das Theater bearbeitet wurden, in den Gehenprojekten jene an die Kunst, ging es in der 12 Monate Performance um die brennenden Fragen des Künstlers an die Existenz an sich. Mit der Eingrenzung der Fragen über das Konzept war sie der geeignete Hebel, um die Grundfragen an die Gesellschaft und deren Individuen zu richten.

Der Einzelkünstler war hier die Spinne in einem kontinuierlich aufgebauten und dokumentierten Netzwerk von nach innen und nach aussen verknüpften Konzepten, Performances, Ereignissen, Personen (Katalog der 144 veröffentlichten und öffentlichen Ereignisse mit den 12 mal 24 Stunden Performance oder Ritual Theater (Schlüsselstruktur), mit der Ritualisierung von elementaren Lebenshandlungen (12 Kernstrukturen), mit ritualisierten und anderen Ereignissen (beispielsweise den 6 Terminen auf dem Sozialamt).

CH liebt Kunst

Auf dem Hintergrund der mit der 12 Monate Performance aufgeworfenen existenziellen Fragen wurde es notwendig, die eigene Existenz in eine Forschung zu investieren, die die Bedingungen der Künstler-Existenz in der CH exemplarisch untersuchte.

Die Untersuchung der Existenzbedingungen der "sozialen Existenz" (Focus Sozialhilfe) ist mit dem Verwaltungsgerichtsurteil des Kanton Bern (15.08.2000) abgeschlossen worden. Hier wird noch einmal festgehalten, dass die Existenzsicherung für jeden gilt, ob er sich Anweisungen der Behörde widersetzt oder ihnen Folge leistet (Rechtsanspruch). Der Künstler wird ausdrücklich erwähnt. Der Grundbedarf II hingegen kann nach diesem Urteil im Einzelfall gestrichen werden.

Die Untersuchung der Existenzbedingungen der Künstler-Existenz (Focus Kunstförderung): Zeitlich parallel zur 12 Monate Performance und den Abklärungen auf der Ebene der Sozialhilfe richtete der Künstler diverse Einladungen und Anfragen an die Abt. Kultur der Stadt Biel. Die erste Eingabe (zusammen mit der Ankündigungskarte) ist datiert vom 25.10.1998 und richtete sich wie das abschliessende Teilprojekt vom 12.01.-11.09.2001 auch an das Bundesamt für Kultur, den Kanton Bern und das Sozialamt der Stadt Biel. Das letztinstanzliche Urteil des Regierungsrates erreichte den Künstler Ende Mai (25.05.2002).

40 Minuten Stehen

Die Abschlussperformance von "CH liebt Kunst" zeigte im Salle Poma des Centre PasquArt Biel die reine Existenz von 51 Sozialhilfebezüger oder Nichtsozialhilfebezüger (40 Minuten Stehen 03.09.2001). Das Projekt CH liebt Kunst damit im Kunstraum rückverankert und zur konkreten Menschenskulptur verdichtet. Die Kooperation von Fürsorgeamt, Ritual Theater und Centre PasquArt verleiht der konkreten Menschenskulptur Breite und Tiefe und spiegelt als solche eine gesellschaftliche Vision: Die reine Existenz genügt. Diese ist "Leistung" genug, um mit einem existenzsichernden Grundlohn gewürdigt zu werden, so die mit künstlerischen Mitteln transportierte politische Botschaft.